Rene Kaplick

Der Konservative mit der Streitaxt: Frank Bommert wird 60

"Frank Bommert sitzt für die CDU im Landtag, er ist Kreisvorsitzender seiner Partei in Oberhavel und schaut keine Provokationen. Und nebenbei führt er auch seine Metallbaufirma. An Rente denkt er noch lange nicht. Am Sonntag wird der Sommerfelder 60 Jahre alt.
Robert TieslerRobert Tiesler
Sommerfeld

Früher dachte er, mit 60 sei man ja alt. Am Sonntag, weiß er, wie das ist. „Ich fühle mich Null wie 60“, sagt Frank Bommert. „Und ich könnte mir auch nicht vorstellen, in fünf Jahren in Rente zu gehen.“ Da ist er sich schon sicher. Es wäre sicher eine große Feier gewesen, denn der Sommerfelder Unternehmer und Politiker ist eine Größe in der Region – bei den einen beliebt, bei den anderen, vorsichtig gesagt, unter kritischer Beobachtung.

Frank Bommert ist Vorsitzender der CDU in Oberhavel, er ist Mitglied des Kreistages und dort stellvertretender Fraktionschef seiner Partei. Außerdem sitzt er im Aufsichtsrat der Oberhavel-Holding. Seit 2009 ist er auch landespolitisch aktiv. Er ist Landtagsabgeordneter, stellvertretender CDU-Chef in Brandenburg und Vize-Fraktionsvorsitzender, außerdem leitet er den Wirtschaftsausschuss des Landtages. Seinen politischen Start hatte er jedoch in der DSU – was auch viel mit seinem Vater zu tun hatte, wie er erzählt.

Geboren wurde er am 25. April 1961 in Hennigsdorf. Er lebt schon immer in Sommerfeld. Bereits seit 1908 gehört seiner Familie das Gehöft im Dorf. „Ich lebte in einem wohlbehüteten, bürgerlichen Elternhaus“, erzählt er. Seine Eltern hatten einen landwirtschaftlichen Betrieb. Urlaub gab es deshalb kaum. In der Nachbarschaft hatte er zwei Freunde, gemeinsam stromerten sie durchs Dorf. Er besuchte zunächst die Schule in Sommerfeld, später die Beetzer Schule. Nach der 10. Klasse begann er 1977 bei der Baumechanik in Hennigsdorf eine Lehre zum Instandhaltungsmechaniker. „Wir haben Maschinen gewartet.“ Sein eigentliches Ziel war aber die Selbstständigkeit. In der DDR war ihm das in den 80ern noch nicht vergönnt, so arbeitete er weiter in Hennigsdorf. „Wir waren aber auch ein tolles Team.“

Im März 1990 stand fest: Er kann seine eigene Firma eröffnen. „Ich wollte nicht mehr, dass mir jemand sagt: Mach’ das und das.“ Am Anfang arbeitete er alleine, in besten Zeiten hatte er zwölf Mitarbeiter. Inzwischen sind sie zu fünft. In seiner Metallbaufirma werden Wintergärten eingebaut, Fenster, Türen, Terrassendächer. Das größte Projekt in den 30 Jahren: die Fenster und Türen für das Gebäude der S-Bahn Berlin GmbH in der Hauptstadt. Die Zukunft ist auch schon gesichert: „Mein Sohn wird die Firma weiterführen. Das größte Problem ist heute eigentlich die Mitarbeitergewinnung.“
Die Wende brachte aber nicht nur die Selbstständigkeit. Es war auch die Zeit, in der Frank Bommert die Politik für sich entdeckte. „Damals hat man viel Politik gesprochen.“ Sein Vater war einst Anhänger vom CSU-Politiker Franz-Josef Strauß. „Der war ein beeindruckender Redner.“ 1990 wollte sich die DSU auch in der DDR etablieren. Stattdessen entstand die DSU, die Deutsche Soziale Union. „Die wurde in Hohen Neuendorf bei Zahnarzt Thomas Schmidt im Keller gegründet“, erinnert sich Frank Bommert. In Sommerfeld holte er bei der Wahl im Frühjahr 1990 gleich mal 18 Prozent. Damals ging es ihm vor allem um seinen Heimatort. Entscheidungen mussten getroffen werden, damals entstand der Wohnpark, am Ortsrand entstand ein Hotel. „Das war eine spannende Zeit. Es herrschte eine Aufbruchstimmung.“

Später ging die DSU in der CDU auf, deren Mitglied Bommert dann 1993 wurde. Um die Jahrtausendwende begann sein Engagement im Kreistag, er wurde unter Wolfgang Krüger Vizechef der CDU in Oberhavel. 2004 bewarb er sich erstmals um einen Sitz im Landtag, aber er verlor die CDU-interne Kandidatenabstimmung. „Ehrlich gesagt, war ich froh, dass ich es nicht geworden bin. Damals war ich noch nicht so weit.“ 2009 schaffte er es dann aber in den Landtag. Außerdem wurde der Kreisvorsitzender seiner Partei in Oberhavel.

„Im Landtag hatte ich ein bisschen Glück, dass wir in die Opposition gegangen sind“, sagt er rückblickend. In der Opposition sei die Arbeit einfacher, in einer Regierungskoalition müsse man sich viel untereinander abstimmen. „Mein wichtiges Projekt war die Einführung der Meistergründungsprämie“, sagt er. „Dafür haben wir fünf Jahre gekämpft.“ Er sei ein treibender Keil gewesen. Gerade will er sich dafür einsetzen, Modellregionen zu schaffen, in denen die Menschen nach Coronatests in Lokale oder Theater gehen können.

Viele sehen Frank Bommert als der „Rechtsaußen der CDU“. „Wenn es heißt, ich gehöre zum konservativen Flügel, dann würde ich sagen: ja.“ Aber das gehöre bei einer Partei dazu, dass verschiedene Meinungen aufeinander treffen. „Für viele ist es ein Problem, dass ich sage, was ich denke. Manche würden das anders machen.“ Es gebe das Zitat eines Politikers, in dem es über ihn heiße: „Wo andere das Florett ziehen, nimmt Frank Bommert die rostige Streitaxt.“ Er selbst findet das lustig und würde es wohl auch nicht abstreiten. Aber: „Jemand von der SPD sagte mal, dass man meine Absprachefestigkeit schätze. Und das stimmt: Was ich sage, da stehe ich auch zu.“

Für Wirbel sorgte sein Facebook-Statement nach der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen, bei der FDP-Mann Thomas Kemmerich mit den AfD-Stimmen gewählt worden war. „Geile Nummer, das Ende von diesem dunkelrot-rot-grünen Spuk“, schrieb er. Viele haben ihm das übel genommen, und auch das „Rechtsaußen“-Stichwort fiel wieder. Bommert sagt, man habe ihm das falsch ausgelegt. Es sei ihm um die (zwischenzeitliche) Abwahl von Bodo Ramelow (Linke) gegangen, nicht um die AfD. „Zur AfD gibt es im Landtag eine starke Abgrenzung“, sagt der Sommerfelder. Mit dem neuen Fraktionschef Berndt sei der Ton bei der AfD noch rauer geworden. Bei den Linken habe er dagegen zu viele Erinnerungen an die Repressalien der SED in der DDR. Aber Bommert sagt auch: „Zum Parlament gehört auch eine gesunde Opposition.“ So lange die Geschichte nicht verklärt werde. 2024 will er auf jeden Fall noch mal antreten.

Sommerfeld dagegen ist der Ort, wo er sich erdet. Am liebsten sitzt er in seinem Wintergarten oder auf der Terrasse. Oder er fährt zum Kremmener Spargelhof. „Da treffe ich auch viele Leute von hier.“ In Sommerfeld werfen ihm einige Leute vor, er würde sich im Dorf nicht mehr engagieren. „Mein Engagement ist zeitlich begrenzt“, sagt er. „Ich habe ja auch noch die Firma.“ Aber er trage Kremmener Interessen in den Landkreis oder in den Landtag.

Frank Bommert hat zwei Kinder. Sein Sohn ist 34, mit seiner neuen Partnerin bekam er eine Tochter, die nun zwei Jahre alt ist. „Ihr geht es gut“, sagt er. Sie musste mehrere schwere Herz-Operationen über sich ergehen lassen. „Das war schon bitter. Wenn sie das Kind zur OP bringen und es übergeben, da haut es einen weg.“ Das sind die Momente, in denen Stille und Nachdenklichkeit einkehrt.

In der Politik wird es den stillen Bommert aber eher selten geben. „Ich bin in die Politik reingewachsen, sie ist mir zu einer Herzenssache geworden.“ Deshalb ist auch klar: Wenn Frank Bommert am Sonntag 60 wird, ist noch lange nicht Schluss."

Quelle:

https://www.maz-online.de/Lokales/Oberhavel/Kremmen/Sommerfeld-Der-Konservative-mit-der-Streitaxt-Frank-Bommert-wird-60